Perutagebuch

Samstag, August 06, 2005

Diese Woche: Galgenfrist (Perutagebuch Teil 3)

04.08.2005: Heute war nun der erste "Arbeitstag". Er bestand darin, sich mit dem kleinen Kloster (Monterrey) vertraut zu machen, indem wir zum Teil arbeiten werden. Eine kleine medizinische Station der Nonnen, mit einem wunderbar blau gestrichenen Zahnarztraum (2 Einheiten, eine zum Fuellungen machen, die andere zum Zaehne ziehen). In Monterrey werden wir Mo, Mi und Freitag arbeiten, jeweils den ganzen Tag, und in den umliegenden Doerfern von Huaraz Di, Do und Sa jeweils halbtags.
Neben dem einen Patient mit 2 Fuellungen - MEINE ERSTE AMALGAMFUELLUNG DES LEBENS!!! (Anmerkung von Astrid: von Hand angeruehrt) - war heute nur Material sortieren und Instrumente sterilisieren angesagt. Danach kam eine lange Siesta, die wir zusammen mit Omar und Marianna verbrachten. Zwei niedliche Kinder die am anderen Ufer wohnen (erreichbar mit einem kleinen Gefaehrt, dass an einem einzigen Drahtseil haengt... sehr abenteuerlich). Omar fing eine kleine Libelle, die er auch gleich bei lebendigen Leibe in seine Hose steckte, nachdem ich ihn mit ihr zusammen photographieren durfte. Nachdem wir dann gesagt bekamen, dass es das fuer heute war, folgte eine weitere ausgedehnte Siesta am Rio Santa hinter dem Kloster, mit Coca kauen und Gott einen lieben Mann sein lassen.
Dummerweise hatten wir den Namen unseres Hotels bis dahin vergessen, nein, schlimmer: ich hatte ihn mir gar nicht gemerkt. Cesar hatte ja alles organisiert und uns frueh morgens abgeholt, sodass ich mich ganz auf ihn verliess... aber er war schon weg. Zum Glueck hatte uns der Taxifahrer vom Morgen seine Telefonnummer aufgeschrieben. Es reichte also ein einfaches: "Hotel, por favor!" :-)
Am Abend waren wir dann noch essen: das erste Meerschwein meines Lebens. Im Uebrigen gibt es dieses "Cuy" hier an jeder Ecke... OHNE Vorbestellung. Sehr lecker und nur zu empfehlen. Es schmeckt nach einer Mischung aus Huhn und Ente. Die Kruste hat mich eher an zu Hause und Weihnachtsgans erinnert. Desweiteren gab es das peruanische Nationalgetraenk Pisco sour. Aufgrund meiner nicht vorhanden Spanischkenntnisse habe ich noch nicht in Erfahrung bringen koennen, was es genau ist. Schmeckt aber ebenso delicioes wie "Cuy", etwas nach Limette und Caipi jedoch sehr sahnig.

05.08.2005: 1 gezogener Zahn, sowie 4 Fuellungen waren das Resultat des heutigen Tages. Wieder Siesta am Mittag und eine abenteuerliche Fahrt nach Hause. Ich hatte keine Lust, am Strassenrand auf ein Taxi zu warten und bin schonmal losgelaufen. Insgesamt haben mich 10 Koeter klaeffend verfolgt... ich werde das naechste Mal warten! Man darf hier nicht am Strassenrand laufen und in ihr Revier eindringen, obwohl das auf der anderen Seite ist. Sowieso ist das mit dem Verkehr hier sehr lustig. "Wer zuerst hupt, faehrt zuerst!" (Zitat Astrid) Und die Hunde stehen manchmal auch einfach so da und interessieren sich nicht fuer die Autos, die in 20 cm Abstand vorbeifahren. Nunja... irgendwann kam da so ein Kleinbus an (Collectivo genannt), mit noch einem Platz fuer mich... auf dem Boden, gedraengt zwischen 20 Einheimischen. Dabei ist dieses Gefaehrt kleiner als ein VW-Bus. Das Gepaeck wurde auf dem Dach verstaut, und guenstig ist es allemal (2 Soles). Die Hauptsache ist, dass man nicht von Monterrey nach Huaraz laufen muss (15 km).

06.08.2005: Im Gegensatz zu den restlichen Samstagen unseres hiesigen Arbeitlebens haben wir heute frei. Laut Cesar, fuer die weitere Hoehenanpassung und Gewoehnung, sowie um fuer die naechste, sicherlich sehr stressige Woche gewappnet zu sein. Folglich habe ich nichts besseres zu tun gehabt, als bis 11:30 zu schlafen. Nach ein paar Einkaeufen (Wasser) und meiner vergeblichen Suche nach vernuenftigen Postkarten (alle kaeuflich zu erwerbenden spiegeln fuer uns in keiner Weise das wider, was wir hier erleben) sind wir unseren Weg zum Tagesziel angetreten: eines der kleineren Huegelchen hier zu erklimmen, bzw. uns wenigestens etwas aus dem Tal von Huaraz zu erheben. Endlich sind wir also durch eine touristisch nicht so erschlossene Gegend Perus gekommen. Nicht etwa die Natur, sondern das Randgebiet von Huaraz. Alles vermittelte einen sehr urspruenglichen Eindruck. Als wir die letzten Siedlungen fast hinter uns lassen konnten, kapitulierten wir wegen Entkraeftung und kehrten uns lieber wieder einem Restaurant zu. Bei Essen und Mate de Coca laesst sich die Hoehe ja aushalten. Ich bin ja gespannt, wie lange die Akklimatisation noch dauert. Mein Puls ist zwar schon im Sinken begriffen, ist aber immernoch IN ABSOLUTER ENTSPANNUNG bei Neunzig. Und das bei meinem sonst sehr ruhigen Gemuet.
Seit dem sitze ich nun hier und schreibe. Nachher haben wir noch einen Termin mit 3 netten Hollaenderinnen, die auch fuer ein paar Monate hier arbeiten und uns beim Uebersetzen Englisch -> Spanisch im Kloster teilweise behilflich sein koennen.
Ich melde mich in naechster Zeit wieder, bleibt alle gesund!


Fortsetzung folgt...

1 Comments:

At 8:13 nachm., Blogger Sebastian said...

...bleibt ihr auch gesund! ich vermisse dich immer noch sehr dolle. das hört gar nicht auf.

grüße aus leipzig, basti

 

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